Credo




Lasurmalerei

Bereits die ersten Übungen in der Technik der Lasurmalerei beim Studium der Kunsterziehung an der Humboldt-Universität zu Berlin faszinierten mich derart, dass ich fortan nicht davon ablassen wollte und konnte. Heute ist diese Technik – mit Variationen – so etwas wie das Kleid meiner Bildgeschichten. Ein altmodisches, sehr aufwändig geschneidertes Kleid. Es kann/darf im ersten Anblick faszinieren, gibt sein Geheimnis und das Geheimnis der ihm innewohnenden Seele jedoch erst durch das Lösen zahlreicher Ösen und Bänder preis. Das Auge des Betrachters taucht durch mehrere, manchmal viele Malschichten in die Tiefen des Bildes, umspielt die Bildgegenstände, auf der Suche nach der Essenz, dem Samenkorn des Gemäldes. Dort, in der Nacktheit einer Idee, auf dem linearen Skelett, beginnt meine Malerei. Mit dem Pinsel webe ich die farbige Seide und lege sie übereinander, mal mehr, mal weniger. Räume entstehen, Figuren werden kompakt. Wenn das Bild fertig ist, lassen die vielen Malschichten das Innerste nur noch erahnen. Wenn es gut ist, spürt man den Zauber.


Porträt/Bildnis

Das Bildnis ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Kunst.
Ich beginne mit einer oder mehreren Handzeichnungen (meist Blei), in welchen ich vor allem den Körper, den Blick, die Geste erspüre. Ich lasse mich ein auf das Modell, lege ein Gespinst aus Linien auf das Papier, gebe dem Modell Zeit und Raum. Dieses Grundgerüst gibt mir die Freiheit für die nachfolgende Arbeit.
Beim Malen mit der Farbe tauche ich dann ein in das Innere der Person. Das gemalte Bildnis offenbart nicht unbedingt etwas Typisches, aber fast immer das Wesen der porträtierten Person. Auch offenbart das fertige Gemälde etwas noch nicht wirklich sichtbares, nämlich das Potential des Menschen. Eine Möglichkeit, die in ihm angelegt, aber noch nicht ausgeschöpft, noch nicht gelebt ist. Im besten Sinne gibt das Bildnis dem Modell die Kraft, den Mut und vor allem die Lust, einen verborgenen eigenen Raum zu betreten.
Auch die zentralen Figuren meiner thematischen Arbeiten sind nicht zufällig durch bestimmte Personen verkörpert. Arbeite ich beispielsweise an der Darstellung einer Göttin mit einer bestimmten Botschaft, dann suche ich in meinem Umfeld nach der Frau, deren Wesen meiner Vision entspricht oder entgegenkommt. Schließlich entsteht auf der Leinwand das Bildnis einer realen Person, welche im Augenblick der Darstellung dem Geist der Göttin in einem von mir erwählten Kontext entspricht. Umgekehrt entdecke ich beim porträtieren in meinem Modell einen Wesenszug, Zustand, eine Ausstrahlung, um welche sich dann eine Bildgeschichte ranken kann.
In allen diesen Bildern ist das Bildnis äußerst wichtig. Immer arbeite ich daran sehr gründlich und so lange, bis ich den zentralen Punkt zwischen dem Modell, der Botschaft und mir selbst gefunden habe.


Acrylmalerei und Ölmalerei

ölfarben lassen mich in Meerestiefen tauchen, bewegungslos verharren und staunen über das Zerrinnen von Zeit und über die Endlosigkeit des entschwindenden Raumes. Sie sind für mich ebenso ein Medium, um die Vibration zu bannen, die mich erfasst, wenn meine Gedanken, das vermeintliche Erkennen zerrinnen. So wird der Bruchteil eines Zustandes auf der Leinwand zum Brennpunkt all dessen, was ich sehe. Es bleibt sichtbar eine Erstarrung, weil in Geste, Körperhaltung, Gesichtsausdruck, dem Leuchten oder Fragen der Augen, dem Farbton der Gegenstände sämtliche Gedankenfäden gebündelt sind, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gesponnen habe. Am Ende lasse ich sie los wie ich den Pinsel ablege. Diese Bündelung in der Tiefe erreiche ich nur mit der Malerei in öl.
Anders ist die Arbeit mit Acrylfarben. Diese Farbe lässt keinen Raum in sich selbst zu. Eher ist sie für mich wie ein Schmetterling über ein Feld von Wiesenblumen fliegend. Mit Acryl male ich kurze Gedanken, Visionen, Eindrücke, illustriere Mythen, erzähle im Bild Geschichten, beschreibe Handlungen. Meist ist eine Handlungs- oder Gedankenabfolge sichtbar. Wie in den Mandalas wird das Auge geführt. Ein Geschehen wird beschrieben, nicht die Essenz. Ich bleibe in der Fläche, grenze mit der Linie ab. Die Bildgegenstände sind stilisiert, haben keine Individualität. Meine mit Acryl gemalten Bilder sind leicht und oft fröhlich und verspielt, die Ölgemälde tragen schwere Lasten.



Handzeichnungen

In der freien Zeichnung fließen die Eingebungen auf direktem Weg über meine Hand mit der Linie auf das Papier - ohne Modell, ohne korrigierenden Pinselstrich und ohne Farbe.



Mythen

Mythen sind für mich Dichtungen im Sinne von Verdichtung oder Sublimierung von wahren Geschehnissen. In meiner Vorstellung hat unsere Mutter Erde sowohl die Göttinnen und Götter als auch die Dämonen und Drachen, Riesen und Zwerge, Helden und Bösewichter geboren oder zumindest getragen, manchmal vielleicht nur geduldet. Einige von ihnen sind gestorben, andere verschwunden, viele scheinen sich zu verstecken. Manchmal schlüpft ihr Geist in einen Menschen – dann male ich ein Bild von ihm/ ihnen. Oder ihre Botschaft?